vlbs

Drittes Maßnahmenpaket zur Gewinnung von Lehrkräften

Schritte in die richtige Richtung – teilweise aber voraussichtlich ohne große Wirkung am Berufskolleg

Maßnahmen, die das Berufskolleg betreffen im Überblick:

  • Ab 2020 können bei Neueinstellungen von Lehrkräften mit entsprechender Lehramtsbefähigung Zuschläge in Höhe von monatlich 350 Euro brutto befristet für zweieinhalb Jahre gezahlt werden.
  • Prüfung der Erweiterung der Berücksichtigung förderlicher Berufserfahrung bei der Stufenzuordnung
  • Weiteres Aussetzen der Hinzuverdienstgrenze für Pensionärinnen und Pensionäre 
  • Fortsetzung der Lehrerwerbekampagne

Lehrerinnen und Lehrern mit Mangelfächern an Berufskollegs einen finanziellen Zuschlag zu gewähren, ist eine der Forderungen des vlbs zur Minderung des Lehrermangels. Von daher ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass 17 Millionen Euro bereitgestellt werden, damit diese Maßnahme in den nächsten zweieinhalb Jahren umgesetzt werden kann.

Einen Blick in die Rahmenbedingungen macht aber deutlich, dass dieser Schritt nur halbherzig angegangen wurde und vermutlich wenig bis gar keinen Effekt am Berufskolleg erzielen wird. Zuschläge sind für neueingestellte Lehrkräfte mit einer Befähigung für das Lehramt an Grundschulen, für sonderpädagogische Förderung, an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen (Sekundarstufe I) und an Berufskollegs sowie entsprechender Altlehrämter ohne eine Fächerbegrenzung vorgesehen. Voraussetzung ist, dass keine Versetzungen aus dem Versetzungsverfahren vorliegen und die Schulen im vergangenen Jahr alle Besetzungsverfahren erfolglos genutzt haben, d. h. ein erfolgloses Listenverfahren und ein erfolgloses Ausschreibungsverfahren mit derselben Fächerkombination vorliegen. Anschließend kann eine erneute Ausschreibung der Stelle mit einem Zuschlag erfolgen.

Es ist kein Geheimnis, dass im Bereich der Mangelfächer Bewerberinnen und Bewerber mit einer entsprechenden Lehramtsbefähigung so gut wie überhaupt nicht vorhanden sind. Da die Maßnahme nur zweieinhalb Jahre greift, ist davon auszugehen, dass sie an Berufskollegs fast gar nicht zum Tragen kommen wird. Eine Attraktivitätssteigerung zur Ergreifung eines Lehramtsstudiums liegt aufgrund der starken Befristung ebenfalls nicht vor, so dass die Maßnahme am Berufskolleg bestenfalls als Symbolpolitik bezeichnet werden kann. Der vlbs begrüßt grundsätzlich, dass Maßnahmen zur Beseitigung des Lehrkräftemangels ergriffen werden. Speziell die Anpassung einer Stufenzuordnung hält der vlbs für eine geeignete Maßnahme zur Attraktivitätssteigerung des Berufs. Allerdings darf sich diese Maßnahme nicht nur auf die Anerkennung von vorberuflichen Erfahrungen beziehen, sondern muss generell für Lehrkräfte mit Mangelfächern gelten. Als langfristige Maßnahme wären Stipendien für Lehramtsstudierende in Mangelfächern am Berufskolleg eine unterstützende Maßnahme zur Lehrer*innen-Werbeaktion.

Michael Suermann vlbs-Vorsitzender

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