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Kommentar zu: „Wir werden nicht immer dümmer“

Bezug: Kommentar von Alan Posener in der WELT AM SONNTAG, Nr. 25 vom 24. Juni 2018, Seite 10 zum Bildungsbericht 2018 mit der Überschrift: „Wir werden nicht immer dümmer“

Berufliche Bildung ins rechte Licht gesetzt.

Den Bildungsbericht 2018 nimmt Alan Posener in der Sonntagszeitung WELT AM SONNTAG vom 24. Juni 2018 zum Anlass, um festzustellen, dass mehr Menschen als je zuvor mit größerem Erfolg am Bildungssystem teilnehmen. Ein Zeichen dafür, so Posener, dass unser Land neben vielen anderen Bereichen auch in Sachen Bildung, Ausbildung und Schule besser werde.


Zahlen aus dem Bildungsbericht 2018

Dem Bildungsbericht ist als Ursache dafür zu entnehmen, dass Bund und Länder seit 2009 mehr Geld für Bildung ausgeben, waren es 2009 noch 4.900 Euro pro Schüler, so waren es 2015 schon 6.900 Euro, Tendenz weiter steigend. Mehr Personal wurde in den Kitas und Grundschulen eingestellt, was dazu geführt hat, dass 36 Prozent der Einjährigen und 94 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen eine Bildungseinrichtung besuchen und damit schon früh zielgerichtet gebildet werden.
Statt dümmer zu werden, wie oft behauptet wird, streben die Deutschen nach höherer Bildung, die Zahl der Abiturienten und derer mit Hochschulabschluss steigt ständig. Die Abhängigkeit des Bildungserfolges, so Posener weiter, hänge von der sozialen Herkunft ab, nur 24 Prozent der Studierenden komme aus Akademiker-Haushalten.

Berufliche Schulen fehlen in der Region

Hingegen sei der Anteil derjenigen, die das System ohne Abschluss verlassen mit 6 Prozent relativ niedrig. Dabei sind die ländlichen Räume die eigentlichen Sorgenkinder der Nation. In strukturschwachen Regionen fehlen nämlich Grundschulen und vor allem berufliche Schulen. Das führt einerseits zur Landflucht, andererseits fehlen den Betrieben die Lehrlinge. Der allseits bekannte Facharbeitermangel ist allein schon dadurch vorprogrammiert. Zum einen bedeutet das weite Wege zum Betrieb, zum anderen aber auch zur Berufsschule. Diese Tatsachen lassen viele Jugendliche Entscheidungen für einen Beruf treffen, für den sich beide Ausbildungsorte in der Nähe befinden. Allzu oft entscheiden sie sich für ein Studium, was zur allseits bekannten Akademikerschwemme geführt hat. Die Folge davon ist: die Jugendlichen fehlen damit dem dualen Ausbildungsmarkt.

Ziele der Berufsausbildung

Diese Entscheidung müsste allerdings eher in Richtung einer dualen Berufsausbildung getroffen werden, nicht nur, weil die Wirtschaft den Nachwuchs benötigt, sondern weil sich hier die theoretische Bildung in den beruflichen Schulen und die praktische Ausbildung in den Betrieben optimal ergänzen und damit ideal auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet.
Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Aussage von Alan Posener: „Das duale Ausbildungssystem lässt uns zwar international schlecht aussehen, wenn die Zahl der Hochschulabsolventen verglichen wird, trainiert aber gerade jene Eigenschaften, die für den Lebenserfolg wichtig sind: Fleiß, Ausdauer, Problemlösungsorientierung, Realismus. Typisch deutsche Tugenden also, die auch nötig sind, um das Land in Sachen Bildung weiterzubringen.“
Dem ist aus unserer Sicht nichts hinzuzufügen, wenn es um diese sekundären Tugenden geht und die Sicherung der berufsübergreifenden und persönlichkeitsbildenden Fächer. Dabei steht das Berufsprinzip immer im Vordergrund, natürlich mit der fachlichen beruflichen Bildung, für die Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen zuständig sind. Sie sind es, die den individuellen beruflichen Werdegang der Schülerinnen und Schüler in eigenverantwortlichen Kompetenzzentren für Aus- und Weiterbildung vom berufsbildenden bis zum Hochschul- und Weiterbildungsbereich begleiten.
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Der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V. vertritt in Deutschland über 39.000 Lehrerinnen und Lehrer.