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vlbs fordert Qualitätsoffensive für berufliche Bildung und Berufskollegs: investieren jetzt

Im Schreiben an die bildungspolitischen Akteure der künftigen Regierungskoalition und deren Chefs Armin Laschet und Christian Lindner, fordern die vlbs-Vorsitzenden Wilhelm Schröder und Michael Suermann (stellvertretender Vorsitzender) eine Qualitätsoffensive für die berufliche Bildung.

Heute gilt es in unsere Jugend und in Beruf und Arbeit zu investieren, damit NRW auch morgen konkurrenzfähig bleibt und Lebensqualität und Wohlstand der Bevölkerung in NRW gesichert werden. Aus Sicht der Berufskollegs hat eine verfehlte bildungspolitische Schwerpunktsetzung der vergangenen Jahre, wie G8/G9, viel Energie und Geld gekostet, das an anderen Stellen fehlt. So gibt es inzwischen auch bei der beruflichen Bildung einen großen Nachholbedarf.


Wilhelm Schröder dazu:„ Einmal mehr erleben wir, das ein Thema aus dem gymnasial - schulpolitischen Experimentierbaukasten, wie bei der Gymnasialzeit, obwohl es nunmehr lediglich der Vergangenheitsbewältigung dient, den Bereich der beruflichen Bildung und Berufskollegs, weiter droht inhaltlich und medial, natürlich aber auch bei den Finanzmitteln, zu überlagern. Das ist mehr als ärgerlich, denn in der beruflichen Bildung lernt und arbeitet immer noch die große Mehrheit aller Jugendlichen.“
Der entstandene Investitionsstau muss aus Sicht des Verbandes sauber analysiert und dann muss investiert werden. Und zwar in Personal, Gebäude und Sachausstattung. „Da wird die neue Landesregierung eine Menge Geld in die Hand nehmen müssen, denn mit der Forderung nach mehr Digitalisierung und schnellem Internet ist es weder in den Unternehmen noch in den Berufskollegs getan“, meint auch Michael Suermann bei der Vorstellung des Positionspapieres in Düsseldorf.


„Um den Standard bei der Ausbildung unserer jungen Menschen zu erreichen, den Betriebe, Elternhäuser und Lehrkräfte der Berufskollegs erwarten und erwarten müssen, angesichts der rasanten Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft rund um den Globus, braucht es inzwischen ein mehrjähriges Investitionsprogramm, da sollten alle Akteure der beruflichen Bildung an einem Strang ziehen“.
Deshalb möchte der Verband mit der Vorlage seines Kurzprogrammes eine klare Richtungsentscheidung der bildungspolitischen Akteure in der Landespolitik zugunsten der beruflichen Bildung und Berufskollegs auslösen.


1. Sicherstellung des erforderlichen Unterrichts
-Die Lehrer- Schüler- Relationen sind so zu korrigieren, dass der nach Stundentafel erforderliche Unterricht überhaupt erst erteilt werden kann. Zurzeit klafft allein hier statistisch eine Lücke von 1401 Stellen. Dies führt faktisch zu massivem, strukturellen Unterrichtsausfall in den Berufskollegs „vor Ort“.
-Altersteilzeit und Maßnahmen zur Qualifizierung von Lehrkräften, wie der Seiteneinstieg, die begrüßt werden, dürfen nicht aus der Lehrer-Schüler-Relation finanziert werden, da sie so einen noch höheren Unterrichtsausfall verursachen.
-Die Bedarfsdeckungsquote von 101,7% reicht nicht aus, um qualifizierte Vertretungsregelungen zu gewährleisten. Die Quote ist auf mindestens 110% anzuheben.
-Stärkung des dualen Systems in Land und Stadt: Duale Bildungsgänge müssen nach erforderlichen Ausbildungsklassen und nicht nach pauschal-statistischen Schülerzahlen mit Lehrkräften ausgestattet werden. Nur dies sichert bei Berufen mit kleinen Lerngruppen, sowohl bei Traditionsberufen als auch bei sich entwickelnden Innovations- und Zukunftsberufen, die Unterrichtsversorgung und Qualität der Ausbildung.


2. Unterrichtsqualität sichern durch angemessene Rahmenbedingungen für Lehrerausbildung und Personaleinsatz
Langfristige Personalplanung
- Beim Ausscheiden von Lehrkräften mit Mangelfächern muss zwei Jahre vorher eine Stelle für die Qualifizierung einer Lehrkraft zur Verfügung stehen.
- Attraktivitätssteigerung des Berufes "Lehrerin / Lehrer am Berufskolleg" durch die Eingangsbesoldung A14
-Motivationserhalt durch die Einführung einer Werkstattlehrerlaufbahn
-Verwaltungsaufgaben zugunsten der Kernaufgabe Unterricht reduzieren und so die Gesundheit der Lehrkräfte fördern
-Die Leitungszeit an Berufskollegs darf nicht „gedeckelt“ werden. Gute Schule und guten Unterricht bekommt man nur mit Schulleitungen, die für diese anspruchsvolle Führungsaufgabe zeitlich-ganzheitlich zur Verfügung stehen.
Lehrerausbildung
-Fachbezogene Lehrerfortbildungsangebote sind zu erweitern und auf die neuen Anforderungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft auszurichten.
-Die Personalverzerrung an Berufskollegs, die sich durch die erforderlich schnelle Einführung internationaler Förderklassen und der Maßnahme „FFM“ an Berufskollegs ergeben hat, ist wieder Schritt für Schritt zu beseitigen. Kernaufgabe der Berufskollegs mit den dafür ausgebildeten Lehrkräften ist in Kooperation mit den Betrieben die kompetente Berufsausbildung, auch z.B. Sprachenerwerb findet „im Medium des Berufes“ statt.


3. Zukunftsweisende Ausstattung von Berufskollegs
- Sicherung eines Mindeststandards (unabhängig von der regionalen Lage und Situation) für die sächliche Ausstattung sämtlicher Berufskollegs des Landes.
- Ausbau der Berufskollegs zu Innovations- und Kompetenzzentren der Region, in Abstimmung mit wirtschaftlichen Erfordernissen und Betrieben.
- Einrichtung einer Enquete - Kommission „Berufliche Bildung und Berufskollegs“ zur Analyse dieser und künftiger Herausforderungen und Vorlage eines Handlungsrahmens mit konkreten Umsetzungsmaßnahmen.


Das vollständige Positionspapier können Sie hier einsehen.

Hans-Jürgen Steffens                                                               Düsseldorf, 9.Juni 2017
Geschäftsführer